HOME | TEXTPORTRAITS | INFO | AKTUELL | KONTAKT | BLOG
   
 
Willy Brandt
Ralph Ueltzhoeffer- Textportrait - Willy Brandt (* 18. Dezember 1913 in Lübeck; † 8. Oktober 1992 in Unkel am Rhein; Geburtsname Herbert Ernst Karl Frahm) war ein deutscher sozialdemokratischer Politiker. Er war von 1957 bis 1966 Regierender Bürgermeister von Berlin, von 1966 bis 1969 Bundesaußenminister und Stellvertreter des Bundeskanzlers sowie von 1969 bis 1974 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Für seine Ostpolitik, die auf Entspannung und Ausgleich mit den osteuropäischen Staaten ausgerichtet war, erhielt er am 10. Dezember 1971 den Friedensnobelpreis. Leben [Bearbeiten] Rückseite der 2-DM-Münze: Willy Brandt Nachempfundenes Arbeitszimmer des jungen Willy Brandt (damals Herbert Frahm) im Willy-Brandt-Haus LübeckWilly Brandt wurde am 18. Dezember 1913 als Sohn von Martha Frahm (geborene Ewert), die Verkäuferin war, und John Möller in der Lübecker Vorstadt St.-Lorenz-Süd geboren. Seinen leiblichen Vater lernte er nie kennen. Dieser war knapp anderthalb Jahre Realschullehrer in Lübeck und meldete sich von dort in Brandts Geburtsmonat, dem Dezember 1913, wieder ab. 1933 wurde John Möller aus dem Staatsdienst entlassen und arbeitete als Buchhalter in Hamburg. Er lebte während seiner Lübecker Zeit in der Mengstraße. Brandt wuchs bei seiner Mutter und seinem Stiefgroßvater Ludwig Frahm (1875-1934) auf, der Martha Ewert nach der Heirat mit deren Mutter Wilhelmine Ewert seinen Namen gegeben hatte.[1] Willy Brandt, damals Herbert Frahm, nannte seinen Stiefgroßvater Papa. In seinem Abiturzeugnis wurde Ludwig Frahm als Vater genannt.[2] Seine nichteheliche Geburt, die vielfach von Zeitgenossen als Makel angesehen wurde, benutzten politische Gegner bis in sein Erwachsenenleben, um ihn herabzusetzen. Er wehrte sich nicht dagegen, doch bekannte er, "Herkunft und üble Nachrede" hätten ihm einen "Stachel eingepflanzt".[3] Nach der Hochzeit seiner Mutter im September 1927 mit dem Maurerpolier Emil Kuhlmann und der Geburt des Sohnes Günter im Februar 1928 blieb Herbert bei seinem Stiefgroßvater und dessen zweiter Frau Dora. Ludwig Frahm gehörte der SPD an und kandidierte 1926 und 1929 auf der SPD-Liste für die Lübecker Bürgerschaft; Herbert war ab Herbst 1925 Mitglied der Kinderfreunde, einer Kindergruppe der Falken, ab April 1929 der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ), in der er als Mitglied der Lübecker Gruppe Karl Marx einen radikalen Kurs vertrat. Er besuchte die St.-Lorenz-Knaben-Mittelschule, ab 1927 die Von Großheimsche Realschule und wechselte 1928 zum Johanneum zu Lübeck, an dem er 1932 sein Abitur ablegte. Im Antrag auf Zulassung zum Abitur nannte er Journalist als Berufswunsch. Publizistisch betätigte er sich bereits als 13-Jähriger; der Lübecker Volksbote, die örtliche SPD-Zeitung, druckte im Februar 1927 einen Aufsatz mit zwei Zeichnungen über eine Tageswanderung des Schülers mit Freunden zur Travequelle ab. Regelmäßiger veröffentlichte er politische Texte von 1929 bis 1931 im Volksboten, von dessen Chefredakteur Julius Leber er später sagte, dieser habe ihn entscheidend beeinflusst. 1930 trat er der SPD bei. Im Oktober 1931 brach er mit Leber und der SPD und schloss sich der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) an, einer linkssozialistischen Gruppe. Für ein Studium, für das Leber ihm ein Parteistipendium in Aussicht gestellt hatte, fehlten ihm die Mittel; er begann im Mai 1932 ein Volontariat bei der Schiffsmaklerfirma, Reederei und Spedition F. H. Bertling KG in Lübeck. Nach Hitlers Machtübernahme 1933 wurde die SAP verboten. Die Partei beschloss, im Untergrund gegen die Nationalsozialisten zu kämpfen. Willy Brandt erhielt im März 1933 den Auftrag, die Ausreise des SAP-Leitungsmitglieds Paul Frölich nach Oslo zu organisieren. Frölich wurde jedoch festgenommen, so dass Brandt dessen Aufgabe übernahm, in Oslo eine Zelle der Organisation aufzubauen. Brandt emigrierte über Dänemark nach Norwegen und begann 1934 in Oslo ein Geschichtsstudium, das er jedoch wegen seiner publizistischen Tätigkeit für norwegische Zeitungen und seines politischen Einsatzes wenig vorantrieb und nicht zu einem Abschluss brachte. In Oslo leitete er auch die Zentrale des SAP-Jugendverbandes SJVD. Ferner vertrat er den SJVD von 1934 bis 1937 beim Internationalen Büro revolutionärer Jugendorganisationen des Londoner Büros. Er legte sich 1934 den Decknamen Willy Brandt zu, den er ab 1947 auch offiziell übernahm. Er selbst sprach 1961 von einem Allerweltsnamen, den er gewählt habe, doch bestand in Lübeck, als er dort sein Volontariat absolvierte, eine Schiffsausrüsterfirma William Brandt Wwe.[4] Unter dem Decknamen Gunnar Gaasland kehrte er im Auftrag Jacob Walchers von September bis Dezember 1936 als Student nach Deutschland zurück. Er hielt sich als Kriegsberichterstatter in Berlin auf und sprach dabei Deutsch mit norwegischem Akzent. Der richtige Gunnar Gaasland war seit 1936 mit Gertrud Meyer, Brandts Lübecker Jugendfreundin, verheiratet, die ihrem langjährigen Gefährten im Juli 1933 nach Norwegen gefolgt war. Die Ehe mit Gaasland bestand auf dem Papier, gab aber „Trudel“, die bis 1939 mit Brandt zusammenlebte, die norwegische Staatsangehörigkeit. Gaasland stellte Brandt seinen Namen zur Verfügung und blieb in Norwegen. Brandt war 1937 als Berichterstatter im spanischen Bürgerkrieg tätig. 1938 wurde er von der nationalsozialistischen Regierung ausgebürgert. Deswegen bemühte er sich um die norwegische Staatsbürgerschaft. Während der deutschen Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg geriet er 1940 vorübergehend in deutsche Gefangenschaft. Da er aber bei seiner Ergreifung eine norwegische Uniform trug und nicht enttarnt wurde, konnte er nach seiner baldigen Freilassung nach Schweden fliehen. In Stockholm gründete er zusammen mit zwei schwedischen Journalisten ein Schwedisch-Norwegisches Pressebüro, das 70 Tageszeitungen in Schweden belieferte. Im August 1940 wurde ihm die norwegische Staatsbürgerschaft von der Botschaft in Stockholm zugesprochen. Bis zum Ende des Krieges blieb er in Stockholm, wo er gemeinsam mit August Enderle federführend an der Wiederannäherung des SAP-Exils an die SPD mitarbeitete. Er lernte dort auch Bruno Kreisky, den späteren österreichischen Bundeskanzler, kennen. Die beiden waren jahrelang freundschaftlich verbunden. Brandt war von 1941 bis 1948 mit Carlotta Thorkildsen verheiratet und hatte mit ihr die gemeinsame Tochter Ninja (* 1940). Nach der Scheidung heiratete er noch 1948 die verwitwete Rut Bergaust, geborene Hansen (* 1920, † 2006). Aus dieser Beziehung gingen drei Söhne hervor, Peter (* 1948), Lars (* 1951) und Matthias (* 1961). Nach 32 Jahren Ehe ließen sich Rut und Willy Brandt 1980 scheiden. Am 9. Dezember 1983 heiratete Brandt die Historikerin und Publizistin Brigitte Seebacher (* 1946). 1945 kehrte Brandt als Korrespondent für skandinavische Zeitungen nach Deutschland zurück und berichtete über die Nürnberger Prozesse. Nachdem er am 20. Mai 1946 mit einer Rede in Lübeck über Deutschland und die Welt Zustimmung der dortigen Sozialdemokraten erfahren hatte, stand im Sommer 1946 nach einem Gespräch mit Theodor Steltzer Brandts Rückkehr nach Lübeck zur Diskussion. Er sollte als Nachfolger von Otto Passarge Bürgermeister seiner Mutterstadt, wie er Lübeck nannte, werden. Nachdem ihm der norwegische Außenminister Halvard Lange vorschlug, als Presseattaché an die norwegische Militärmission nach Berlin zu gehen und der norwegischen Regierung aus der Stadt vom beginnenden Kalten Krieg zu berichten, entschied er sich gegen seine Geburtsstadt, denn Lübeck kam mir ein wenig eng vor nach seinen internationalen Erfahrungen seit der Emigration.[5] Seiner Geburtsstadt blieb Brandt jedoch eng verbunden. So schloss er Wahlkämpfe bis hin zu Kommunalwahlkämpfen stets am Vortag der Wahl mit einer Kundgebung in Lübeck ab. Am 1. Juli 1948 erhielt er von der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung wieder die deutsche Staatsbürgerschaft. 1949 ließ er sich seinen Decknamen Willy Brandt als offiziellen Namen vom Polizeipräsidium Berlin anerkennen. Politische Karriere [Bearbeiten] Berlin [Bearbeiten] Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (re.), zusammen mit dem US-amerikanischen Präsidenten, John F. Kennedy (li.) in Washington im Weißen Haus, 13. März 1961Seine politische Karriere im Nachkriegsdeutschland begann 1949 als Berliner Abgeordneter für die SPD im ersten Deutschen Bundestag. Insgesamt gehörte Brandt dem Bundestag von 1949 bis 1957, von 1961 bis zum 27. Dezember 1961 und von 1969 bis zu seinem Tode im Jahre 1992, also insgesamt 31 Jahre lang, an. 1950 wurde er auch Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Er legte dieses Mandat erst am 6. April 1971, also knapp zwei Jahre nach seiner Wahl zum Bundeskanzler, nieder. 1955 wurde Willy Brandt in der Nachfolge Otto Suhrs Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. 1957 wurde er, ebenfalls in der Nachfolge Otto Suhrs, zum Regierenden Bürgermeister gewählt. In diesem Amt erlangte Brandt aufgrund seines entschlossenen Handelns während des Berlin-Ultimatums (1958) und nach dem Mauerbau 1961 große Popularität. Diese Popularität schlug sich auch in den Ergebnissen der Berliner SPD bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus nieder: 1958 steigerte sich die SPD um 8,0 Prozentpunkte auf 52,6 % der Stimmen, 1963 erreichte sie mit 61,9 % der Stimmen das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte. Er blieb bis zum 30. November 1966 Regierender Bürgermeister. Vom 1. November 1957 bis zum 31. Oktober 1958 war Brandt gleichzeitig Bundesratspräsident. Von 1958 bis 1963 war er Landesvorsitzender der SPD Berlins. In der Bundespolitik 1961–1969 [Bearbeiten] 27. Februar 1969: Besuch Nixons in BerlinBei der Bundestagswahl 1961 trat Brandt erstmals als Kanzlerkandidat seiner Partei gegen den damals 85 Jahre alten Konrad Adenauer an. Im Wahlkampf wurde Brandt häufig mit dem jugendlich wirkenden charismatischen US-Präsidenten John F. Kennedy verglichen. Adenauer spielte am 14. August 1961, einen Tag nach Beginn des Mauerbaus in Berlin, bei einer Wahlveranstaltung in Regensburg, als er von seinem Gegenkandidaten als Brandt alias Frahm sprach, auf dessen Jahre im Exil an, doch wurde der Ausdruck auch als Hinweis auf seine nichteheliche Geburt verstanden. Am 16. August benutzte Adenauer diese Formulierung in Bonn noch einmal. Franz Josef Strauß hatte bereits im Februar 1961 in Vilshofen unter Anspielung auf Brandts Exiljahre, die immer wieder zum Anlass für persönliche Angriffe bis hin zum Vorwurf des Vaterlandsverrats genutzt wurden, gesagt: „Eines wird man Herrn Brandt doch fragen dürfen: Was haben Sie zwölf Jahre lang draußen gemacht? Wir wissen, was wir drinnen gemacht haben.“[6] Die SPD legte bei der Wahl mit 4,4 Prozentpunkten auf 36,2 Prozent der Wählerstimmen deutlich zu. Zur Regierungsübernahme kam es nicht, obwohl eine Koalition mit den 12,8 Prozent der FDP rechnerisch möglich gewesen wäre. Ein Gespräch Brandts mit Erich Mende führte zu keinem Ergebnis. Die absolute Mehrheit der CDU war jedoch gebrochen, sie verlor 4,8 Prozentpunkte. 1962 übernahm Brandt auf Initiative von Herbert Wehner den stellvertretenden Parteivorsitz,[7] 1964 als Nachfolger des verstorbenen Erich Ollenhauer den Bundesvorsitz der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, den er bis 1987 innehatte. Bei der Bundestagswahl 1965 unterlag er Bundeskanzler Ludwig Erhard, woraufhin er sich enttäuscht vorübergehend von der Bundespolitik zurückzog und eine weitere Kanzlerkandidatur ausschloss. In dieser Zeit war er der am meisten umstrittene (und beschimpfte) Politiker der Republik. Besonders erbitterte es ihn, dass er wegen seiner antifaschistischen Vergangenheit diffamiert wurde, während Ex-Nazis deren Vergangenheit verziehen wurde. „Dieser Wahlkampf hat Wunden hinterlassen“, sagte er 1965. Nach Erhards Rücktritt 1966 wurde Kurt Georg Kiesinger (CDU) zum Bundeskanzler gewählt, der eine Große Koalition mit der SPD bildete. Willy Brandt trat von seinem Berliner Amt zurück und übernahm das Amt des Außenministers und Vizekanzlers. Bundeskanzler [Bearbeiten] Kabinett Brandt I (1969–1972) [Bearbeiten]Nach der Bundestagswahl 1969 bildete Willy Brandt gegen den Willen von Herbert Wehner und Helmut Schmidt, die eine Fortsetzung der großen Koalition vorgezogen hätten, eine Koalition mit der FDP. Die sozialliberale Koalition verfügte lediglich über eine Mehrheit von zwölf Stimmen. Der Bundestag wählte Brandt zum vierten Bundeskanzler in der Geschichte der Bundesrepublik. Vizekanzler und Außenminister wurde Walter Scheel (FDP). Brandts Amtszeit ist verbunden mit dem Motto "Wir wollen mehr Demokratie wagen" und mit dem Stichwort der „Neuen Ostpolitik“, die den Kalten Krieg unter der Losung „Wandel durch Annäherung” (Egon Bahr) bzw. „Politik der kleinen Schritte” abmindern und die Berliner Mauer durchlässiger machen sollte. Trotz gewisser anfänglicher Skepsis (Nixon, Kissinger, Pompidou) unterstützten die Westmächte diese Politik. Der Kniefall von Warschau im Jahr 1970 am Mahnmal des Ghetto-Aufstandes von 1943 leitete symbolisch die Entspannungspolitik ein, die später in die Ostverträge mit Polen und der Sowjetunion mündete. Hinzu kam der Grundlagenvertrag mit der DDR. 1970 hatte er sich in Erfurt mit dem Vorsitzenden des Ministerrates der DDR Willi Stoph zunächst zum ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen im Erfurter Hof und dann in Kassel getroffen. Es folgte ein Abkommen mit der Tschechoslowakei. Für seine Ostpolitik erhielt Brandt 1971 den Friedensnobelpreis. Faksimile im Bundeskanzleramt von Willy Brandts Urkunde für den Friedensnobelpreis 1971Mit dieser „Neuen Ostpolitik”, die Willy Brandt gemeinsam mit Walter Scheel gegen den entschiedenen Widerstand der Mehrheit der CDU/CSU-Opposition durchsetzte, bemühte er sich um eine „Entspannung in Europa“. Einige Geschichts- und Politikwissenschafter sehen darin heute eine Wegbereitung für den Zusammenbruch der kommunistischen Regierungen in Osteuropa und die Deutsche Wiedervereinigung, die von Brandt mit seiner Ostpolitik jedoch nicht beabsichtigt war. Seinerzeit wurde ihm von konservativer Seite vorgeworfen, damit eine unnötige Anerkennung der DDR betrieben zu haben. Sie sahen die Entspannungspolitik nicht als Weg zum Zusammenbruch der Staaten des Ostblocks, sondern konstatierten im Ergebnis einzig eine Aufwertung der Regierungen. Gleichzeitig ging es ihm um innenpolitische Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Rechtspolitik. „Mehr Demokratie wagen” war das Motto, mit dem Brandt die innenpolitische Stagnation der Nachkriegszeit überwinden wollte. Auch aufgrund der Ölkrise von 1973 infolge des israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieges sind diese Reformen nur teilweise realisiert worden. Besonders der sogenannte „Radikalenerlass“ gegen Extremisten im öffentlichen Dienst, der 1972 eingeführt wurde, ist bis heute bekannt geblieben. Er wird bis heute von Kritikern auf der Linken scharf kritisiert und auch Brandt selbst hat ihn später als schweren Fehler bezeichnet. Misstrauensvotum und Vertrauensfrage (1972) [Bearbeiten]Seit Amtsantritt der Regierung Brandt hatten bis zum Jahr 1972 so viele Abgeordnete der SPD und der FDP zur Unionsfraktion gewechselt, darunter der ehemalige Bundesminister Erich Mende, dass die CDU/CSU-Fraktion rechnerisch über eine knappe absolute Mehrheit verfügte. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Rainer Barzel glaubte daher im April 1972, Willy Brandt mittels eines konstruktiven Misstrauensvotums ablösen zu können. Doch für seine Wahl zum Bundeskanzler fehlten ihm bei der Abstimmung zwei Stimmen. Später wurde bekannt, dass das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR mindestens einen Abgeordneten (Julius Steiner) der CDU bestochen hatte. Mittlerweile ist durch die Rosenholz-Akten auch der zweite Abgeordnete aus den Reihen der CSU bekannt: Leo Wagner erhielt vom MfS 50.000 DM. Da allerdings die SPD/FDP-Koalition im Bundestag über keine handlungsfähige Mehrheit mehr verfügte, stellte Brandt im September 1972 die Vertrauensfrage, bei welcher sich absprachegemäß die Bundesminister enthielten, so dass die Vertrauensfrage negativ beantwortet wurde und Bundespräsident Gustav Heinemann auf Antrag Brandts den Bundestag auflöste. Kabinett Brandt II (1972–1974) [Bearbeiten]Bei den Neuwahlen im November 1972 wurde die Regierung Brandt bestätigt und verfügte nunmehr über eine handlungsfähige Mehrheit im Bundestag. Die SPD wurde mit 45,8 % der Stimmen erstmals stärkste Bundestagsfraktion, ein Ergebnis, das auch im Ausland als Volksabstimmung über die Ostverträge verstanden wurde, für deren parlamentarische Ratifizierung jetzt der Weg frei war. Am 7. Juni 1973 besuchte Willy Brandt als erster deutscher Bundeskanzler Israel, nachdem 1965 die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel aufgenommen worden waren. Bereits 1970 hatte mit Abba Eban erstmals ein israelischer Außenminister die Bundesrepublik besucht, der Gegenbesuch durch Außenminister Walter Scheel war im selben Jahr erfolgt. Rücktritt infolge der Guillaume-Affäre [Bearbeiten]Die gewonnene Bundestagswahl 1972 stellte zwar den politisch größten Erfolg Brandts dar, jedoch sind sich zeitgenössische Beobachter wie Egon Bahr darin einig, dass dieser „Höhepunkt eindeutig auch der Scheitelpunkt war – von da an ging es bergab“.[8] Politische Ermüdungserscheinungen Brandts paarten sich mit überhöhten Erwartungen an seine zweite Regierungszeit. Dennoch kam sein Rücktritt für die Öffentlichkeit überraschend, wobei die Guillaume-Affäre wohl eher der Auslöser als die Ursache für Brandts Rücktritt war. Als Ursachen werden auch die Ölkrise und der damit verbundene Wirtschaftsabschwung sowie die nach einem harten Streik im Öffentlichen Dienst von der ÖTV unter Heinz Kluncker durchgesetzten hohen Tarifabschlüsse angesehen. Beides verringerte den Spielraum für mögliche Reformen und belastete Brandt auch seelisch. Am Ende einer turnusmäßigen Zusammenkunft von SPD und Gewerkschaftsspitzenfunktionären in der Kurt-Schumacher-Akademie in Bad Münstereifel am 4. und 5. Mai erklärte Brandt in einem auf den 6. Mai 1974 datierten handschriftlichen Brief seinen Rücktritt, der vom NDR am folgenden Tag publik gemacht wurde. Anlass war die Enttarnung des DDR-Spions Günter Guillaume, der als Referent für Parteiangelegenheiten einer der engsten Mitarbeiter von Brandt gewesen war. Brandt übernahm mit seinem Rücktritt Verantwortung für Fahrlässigkeiten innerhalb der Bundesregierung. Guillaume war in unmittelbarer Nähe des Kanzlers geblieben, obwohl er seit mehr als einem Jahr im Verdacht stand, Spionage zu betreiben. Brandt hatte im Glauben, Guillaumes DDR-Herkunft sei der Grund für den Spionageverdacht gewesen, die Brisanz der Angelegenheit unterschätzt und ihr entsprechend wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Die Diskriminierung von DDR-Bürgern, die wie Guillaume in die Bundesrepublik übergesiedelt waren, war damals nicht ungewöhnlich. Brandt behauptete später, Herbert Wehner sei an seinem Rücktritt mitschuldig gewesen, da dieser ihn davon nicht abgehalten hatte. Beide blieben im Zentralvorstand der SPD und hatten fortan zahlreiche Unstimmigkeiten. Ein weiterer Kontrahent im Kabinett Brandt II war Helmut Schmidt, damals Finanzminister. Trotz gegenteiliger Beteuerungen Wehners wird allgemein angenommen, dass weniger die Affäre an sich, als vielmehr Wehners Einschätzung, der gesundheitlich angeschlagene, unter Depressionen leidende Brandt sei nicht zu halten, den Ausschlag zum Rücktritt gaben.

Willy Brandt

 
h

RALPH UELTZHOEFFER

TEXTPORTRAIT
     
 
Ralph Ueltzhoeffer 2010
 
TEXT PORTRAIT / KATEGORIEN / VERZEICHNIS:
 
Kategorie: Film - Fernsehen / Movie - Television [2005] [2006] [2007]
Schauspieler - Filmstars / Actor - Actress:
 

Angelina Jolie | Brad Pitt | Cameron Diaz | Pamela Anderson |
Jeanette Biedermann | Orlando Bloom | Hayden Christensen |
Keanu Reeves | Tom Cruise | Leonardo DiCaprio

 
Kategorie: Musik / Music [2006] [2007] [2008]
Musiker - Entertainer - Rock - Popstars / Musician:
 

John Lennon | George Harrison | Paul McCartney | Ringo Starr |
Xavier Naidoo
| Lenny Kravitz | Shakira | Michael Jackson |
Robbie Williams
| Britney Spears | Jennifer Lopez | Christina Aguilera | Sarah Connor | Michelle Hunziker | Bob Geldof |

 
Kategorie: Politik / Politics [2005] [2006] [2007] [2008]
Politiker / Politician:
 

George W. Bush | Gerhard Schröder | Willy Brandt | Helmut Schmidt |

 
Kategorie: Kunst / Art [2006] [2007]
Künstler / Artist:
 

Louise Bourgeois | Roy Lichtenstein | Joseph Kosuth | Jenny Holzer |
Andreas Slominski | Kai Althoff | Sean Scully | Elke Krystufek |
Erwin Wurm | Daniel Weisser.

 
Kategorie: Mode / Fashion / Style [2006] [2007]
Erben / to inherit money:
 

Paris Hilton.

 

Model - Fotomodel - Fashion-designer: Heidi Klum.

 
Kategorie: Sport - Leistungssport / Competitive sports [2005] [2006] [2007]
Rennsport - Radrennsport - Leichtathletik - Fußball / Racing - Cycling - Athletics - Soccer - Football - footie...
 

Fußballspieler - Fußballer / Soccer: David Beckham.

 

Rennfahrer / Racer: Michael Schumacher.

 

Radrennfahrer / Racing cyclist: Jan Ullrich.

 
Kategorie: Menschenrechte - Literatur - Dichtung - sonstige [2008]
 

Hermann Hesse | Mahatma Gandhi.

 

Fiona Banner | Angela Bulloch | David Claerbout | Helmut Dorner |
Maria Eichhorn
| Elger Esser | Katharina Fritsch | Bernard Frize |
Lori Hersberger
| Sabine Hornig | Guillermo Kuitca | Luisa Lambri |
Matthieu Laurette
| Via Lewandowsky | Vera lutter | Michelle Majerus |
Boris Mikhailov
| Mariele Neudecker | Neo Rauch | Charles Ray |
Jutta Koether
| Gerwald Rockenschaub | Karin Sander | Gregor Schneider | Florian Slotawa | Frank Thiel | Johannes Wohnseifer | Tino Sehgal |
Thomas Zipp | Manfred Pernice |

 
   
 

Aktuelle Themen

   
 

Biografie Ralph Ueltzhoeffer

   
 

Textportrait - English / www.ueltzhoeffer.com - Ueltzhoeffer - textportrait

   
  Ralph Ueltzhoeffer - Installation Works.